1. Stock: Die Geschichte des KneiphofsIm Stadtgebiet von Königsberg lag einst die Burg Twangste, die schon bei Tacitus neben dem Handelsplatz Truso als Ausgangspunkt der Bernsteinroute nach Rom erwähnt wird. Der Ortsname Twangste, auch Tuwangste, Twangst, Twongst, Twoyngst bezeichnete einen Siedlungsplatz, der im späteren Stadtteil Burgfreiheit gelegen hat. Litauische Linguisten interpretieren den Namen als „Teich mit Damm“, womit der Schloßteich gemeint ist. Dieser Teich hatte in früheren Jahren einen offenen Abfluss zum Pregel. Nach deutschen Quellen leitet sich der Name Twangste jedoch aus dem gotischen Wort „wangus“ ab, was einen Holzschlag, eine Lichtung in einem halb gerodeten Eichwald bezeichnet. Peter von Dusburg spricht davon, dass die Preußen das Kastell, das die Ordensritter 1225 an der zu seiner Zeit „alte Burg“ genannten Stelle nach dem dort befindlichen Walde Tuwangste genannt hätten.
Die Kneiphofinsel war seit 1322 geistlicher Bezirk, für den zwischen 1330 und 1380 der Dom errichtet wurde. Nach dem Verlust der Marienburg 1457 wurde die Burg Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Als im 15. Jahrhundert die preußischen Stände gegen die Herrschaft des Ordens aufbegehrten, den Preußischen Bund gründeten und sich bei Garantie großzügiger Privilegien der polnischen Krone unterstellten, war Königsberg zunächst mit dabei, kehrte dann aber wieder zur Loyalität mit dem Orden zurück. Nach dem Dreizehnjährigen Krieg wurde 1466 im Zweiten Frieden von Thorn Preußen geteilt. Zum Preußen Königlichen Anteils, mit Polen in Personalunion, ab der Lubliner Union von 1569 in Realunion verbunden, gehörte auch die Marienburg, bis zum Dreizehnjährigen Krieg Hauptsitz des Ordens. Königsberg gehörte zu der dem Deutschen Orden verbleibenden Hälfte Preußens. Hauptsitz des Ordensstaates war es schon seit 1455. 1724 wurden am 13. Juni die drei Städte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht zur Stadt Königsberg vereinigt. Im selben Jahr wurde in Königsberg der wohl berühmteste Sohn der Stadt, der Philosoph Immanuel Kant geboren. Kant soll in seinem Leben kaum seine Heimatstadt verlassen haben. Durch ihn wurde die Königsberger Universität zu einem Zentrum der Philosophie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die durch das Wachstum der Stadt behindernden Festungsanlagen geschleift. Durch den Versailler Friedensvertrag war Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet abgetrennt worden, was insbesondere zu großen wirtschaftlichen Problemen führte. Diese wurden durch eine gezielte Wirtschaftspolitik (siehe Ostmesse) und andere Maßnahmen (siehe Seedienst Ostpreußen) gemildert. Das Königsberger Brückenproblem ist ein 1736 von Leonhard Euler gelöstes mathematisches Problem. Am konkreten Beispiel bezieht es sich auf die Brücken der Stadt Königsberg – heute Kaliningrad – und die Frage, ob es einen Rundweg gibt, bei dem man alle sieben Brücken der Stadt über den Pregel genau einmal überquert und wieder zum Ausgangspunkt gelangt. Die Grundaufgabe lautete, „nur“ einen wie oben beschriebenen Weg zu finden, ohne aber zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Euler bewies, dass es keinen solchen Rundweg, nach ihm deshalb auch als „Eulerscher Weg“ bezeichnet, geben kann.
Die Ende Januar 1945 in der Schlacht um Ostpreußen abgeschnittene und zur „Festung“ erklärte Stadt verteidigte sich drei Monate lang, ehe sie von sowjetischen Truppen eingenommen wurde. Die Militärführung der Stadt unter General Otto Lasch ergab sich den sowjetischen Einheiten am 9. April 1945. Zu diesem Zeitpunkt standen die sowjetischen Soldaten bereits auf dem Universitätsplatz, unter dem sich der Bunker von Lasch befand. Der vorangegangene aussichtslose Straßen- und Häuserkampf hatte auf beiden Seiten hohe Verluste, auch in der Zivilbevölkerung, gefordert und war von zahlreichen Grausamkeiten und Kriegsverbrechen begleitet. Auf der Potsdamer Konferenz hatten die Siegermächte beschlossen, das nördliche Ostpreußen unter die Verwaltung der Sowjetunion zu stellen. Am 17. Oktober 1945 gliederte die UdSSR dieses Gebiet der Russischen Sowjetrepublik an und machte Königsberg zum Verwaltungssitz des neu gegründeten Kaliningradskaja Oblast (dt. „Bezirk Kaliningrad“, kurzzeitig war der Name Kenigsbergskaja Oblast gebräuchlich). 1946 wurde Königsberg offiziell in Kaliningrad umbenannt. |
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