Konigsberger Dom in Kaliningrad

Nach langen Jahren der Zerstörung und des Verfalls ist der Koenigsberger Dom in Kaliningrad wieder zu einem Zentrum des kulturellen und geistigen Lebens geworden, die herausragende Dominante der Stadt. Obwohl der seit 1992 ohne einen Tag Pause laufende Wiederaufbau des Doms noch nicht vollendet ist, besuchen ihn täglich immer größere Zahlen hochinteressierter Gäste. Ernste finanzielle Probleme begleiteten von Anfang an den Wiederaufbau. Die bisher aufgewandten Mittel kamen aus Russland. Die Restauratoren selbst beschafften Geld für den Wiederaufbau durch die Ausführung auswärtiger Arbeiten in der Stadt. Einnahmen aus Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen im und am Dom trugen ebenfalls zur Finanzierung der Arbeiten an diesem historischen Gebäude bei. Allen Problemen, Lasten und Schwierigkeiten der Aufbaujahre zum Trotz hat der Dom nicht nur die Zeiten überdauert, er übernahm im Zug der Restaurierung laufend neue Funktionen und nimmt schon jetzt einen zentralen Platz im Leben der Region ein. Sein Turmteil hat eine einzigartige Museengruppe aufgenommen, unter denen das Kant-Museum einen besonders wichtigen Platz einnimmt. Weitere Museumsabteilungen dokumentieren die Domgeschichte und die Geschichte der Stadt "Kneiphof". Orgel- und Sinfoniekonzerte ertönen regelmäßig in einem kleineren Saal des Domes und im Hauptschiff, in dem auch bereits mehrfach ökumenische Gottesdienste mehrerer Religionen zugleich stattfanden. Chöre und Singgruppen aus Russland und Deutschland, aber auch aus Litauen, treten gerne im Dom mit seiner wunderbaren Akustik auf.

Für den Dom hat damit eine neue Ära begonnen - die Ära seiner Funktion als geistig-kulturelles Zentrum. Besonders erfreulich ist das Interesse der Jugend für den Dom. Im Jahr 2000 wurde er von über 100.000 Menschen besucht, davon waren über 18.000 Schüler.

Die Erwähnung des Domes datieren aus dem Jahr 1226, als der polnische Herzog, Konrad von Masowien, den 1190 begründeten Deutschen Ritterorden einlud, sich an der Eroberung der Siedlungsgebiete der heidnischen Pruzzen zu beteiligen. Die Pruzzen bedrängten ihn so sehr, dass er dem Orden sogar den Besitz des Culmer Landes versprach, das allerdings erst noch erobert werden musste. Der Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza, erwirkte vom Hohenstaufener Kaiser, Friederich II., die bleibende Überlassung der zu christianisierenden Gebiete.

Die Bauarbeiten setzten sofort mit großem Elan ein. Doch 1333 mussten sie auf Weisung des Hochmeisters unterbrochen werden, als dieser erkannte, dass der Bischof eine Wehrkirche errichtete, wie sie in Deutschland und in anderen Ländern gebaut wurden. Der Orden hatte ein Kontrollrecht auf alle Bauten. In Verhandlungen wurde eine Übereinstimmung darüber erzielt, dass der Dom ohne festungsartige Elemente weitergebaut werden sollte. Die entsprechende Weisung des Ordens enthält genaue Angaben über die Höhe und die Stärke der Mauern, sowie über weitere Eigenschaften des Objekts. Diese Weisung erging am 13. September 1333. Das Datum gilt als Gründungstag des Domes.

Der Bau war als römische Basilika mit flacher Holzdecke und Satteldach konzipiert. Wie damals üblich, wurden zunächst der hohe und der niedrige Chor gebaut. Die Arbeiten kamen so zügig voran, so dass beim Tod des Hochmeisters, Lutter (auch Luther, Ludger) von Braunschweig, dieser bereits im Domchor bestattet werden konnte. Dort fand auch Bischof Johannes Clare, der 1344 starb, seine letzte Ruhestätte.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Dom so verwittert, dass grosse Bedenken hinsichtlich der Sicherheit seiner Nutzung aufkamen. Ab 1886 wurden verschiedene Arbeiten zur Sicherung des Doms unternommen, und von 1901 bis 1907 wurde er unter der Leitung des Provinzialkonservators, Richard Dethlefsen, von Grund auf saniert. Dethlefsen ließ den äußeren und inneren Putz abschlagen, ersetzte rund 70% der Außenziegel und ließ unter den Turmteil eine Betonverstärkung gießen. Diese beeindruckende Leistung rettete den Dom. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass Dethlefsen nach Luther von Braunschweig der zweiter Erbauer des Domes war.

Die Setzung des Domes wurde bis 1944 regelmäßig vermessen. Nach Beginn des Wiederaufbaus, im Jahre 1994, wurden diese Messungen wiederaufgenommen. Infolge von schweren britischen Fliegerangriffe vom 29. auf den 30. August 1944 brannte der Dom nieder. Zwar wurde er nicht direkt von den Bomben getroffen, so wie auch keine der Könisgberger Brücken unmittelbar getroffen wurde, doch das Feuer der brennenden Nachbargebäude sprang auf den Dom über. Niemand löschte den Brand im Dom. Der Dom stand nicht auf der amtlichen Liste der besonders wichtigen Objekte. Der Brand vernichtete das Dach, den Turm und weitere Teile, und es verbrannte die gesamte Innenausstattung. Der Dom schien für immer verloren.

Die Bemühungen einer Gruppe von Enthusiasten führten am 15. Januar 1992 im Einvernehmen mit der Gebietsadministration zur Grßndung einer staatlichen Firma unter der Bezeichnung „Kafedralnyj Sobor" ("Domkathedrale"). Hauptaufgabe der Firma war der Wiederaufbau des Domes. Die Firma musste ihre Arbeit praktisch bei Null beginnen, ohne jegliche Finanzierung.

Im Juni 1992 begann eine Kooperation mit dem Fuldaer Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege (Prof. M. Gerner und Dr. H. Rübesam). In Zusammenarbeit mit diesem Zentrum wurde von der Firma „Kafedralnyj Sobor" unter Entnahme zahlreicher mineralogischer Zustandsproben des Mauerwerkseine eine bauliche Untersuchung der Domruine  durchgeführt.

Der wiedererstehende Königsberger Dom ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Fachleuten mehrerer Länder, ein Muster dafür, wie mit Geschichte umgangen werden muss. Die Wiedergeburt des Dom bürgt dafür, dass sich russische und Weltkultur weiter entwickeln werden.

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